2019 war ein sehr intensives Jahr. Neuer Wohnort, berufliche Veränderungen, atemberaubende Reisen, … und viel kaltes Wasser. Zu Beginn dieses Jahres bin ich oftmals an einem Punkt angelangt, an dem ich mir dachte: „Puh, ob das gut gehen wird?“ Aber es ist gut gegangen, ja mehr als gut. Und nun, kurz vor Ende 2019, habe ich mein Resümee gezogen und jene Dinge zusammengefasst, die mich dieses Jahr gelehrt hat.
2019 hat mich gelehrt …
… Risiken einzugehen
Wer meinen Blog schon länger verfolgt, der weiß, dass mich Dezember 2018 ganz schön herausgefordert hat. Heute, ein Jahr später, blicke ich mit Stolz zurück. In diesen 12 Monaten bin ich viele Risiken eingegangen und habe zum ersten Mal in meinem Leben (!) auf eine einzige Person vertraut: Mich selbst. Das tat nicht nur gut, sondern ging auch gut. Seitdem stelle ich mir immer wieder die Frage: Wann habe ich zum letzten Mal was zum ersten Mal gemacht?
… auch mal Nein zu sagen
als hochsensibler Mensch bin ich dazu verdammt ständig zu allem und jedem Ja zu sagen. „Kannst du schnell ein `paar´ Fotos von uns schießen?“ – „Ja natürlich!“. „Dieses Projekt muss diese Woche noch abgeschlossen werden“ – „Bekommst du bis Freitag!“. „Kannst du bitte Überstunden am Wochenende ohne Bezahlung machen?“ – „Ja, aber sicher doch!“
Und als ich es zum ersten Mal gemacht habe – einfach aufzustehen und Nein zu sagen – hat sich etwas in mir getan. Nicht das befürchtete Schuldgefühl trat ein, sondern ein Gefühl der Erleichterung und Stärke. Alle darauf folgenden Neins gingen mir (schon fast unheimlich) leicht über die Lippen. Natürlich sage ich nach wie vor zu übermäßig vielen Dingen ja, aber ich bin davon überzeugt, dass es sich hier um einen simplen Lernprozess handelt.
… die menschliche Energie nicht als unendlich anzusehen
Wenn ich etwas will oder etwas vereinbare, dann stehe ich zu 1000% dahinter. Deshalb werde ich nur in den seltensten Fällen krank *auf Holz klopf* und musste noch nie ein Shooting aufgrund meiner Gesundheit absagen *nochmals auf Holz klopf*. So hantel ich mich von Woche zu Woche und von Termin zu Termin – stets im Glauben, dass ich unendlich viel Energie hätte und ich mich „nicht so doof anstellen“ solle. „Die anderen schaffen das ja auch alle.“
Doch inmitten der Hochzeitssaison dieses Jahres wurde mir zum ersten Mal klar, dass es eben nicht so ist. Die eigene Energie ist begrenzt und hat schlicht und einfach ein Limit. Mein Körper und mein Gemütszustand bewiesen mir dies mehr als deutlich. Ich gestand mir ein, dass ich längere Pausen nötig hatte und den Kopf frei bekommen musste. Also begann ich 2019 damit, regelmäßig BEWUSST von jeglichen Arbeiten und Verpflichtungen Abstand zu nehmen, um stattdessen Energie zu tanken. Sei es in den Bergen oder daheim am Sofa. Was sich anfangs einfach nur falsch und komisch anfühlte, machte sich bei den darauffolgenden Terminen und Shootings bemerkbar: Mein Kopf war voller Ideen, mein Tatendrang riesig. Das Muss verwandelte sich wieder in Freude.
… meine Gefühle besser zu verstehen
Das klingt jetzt etwas theatralisch, aber 2019 hat mir bei etwas ganz Wichtigem geholfen, und zwar meine Gefühlswelt besser verstehen und lenken zu lernen. Denn ich war schon immer ein sehr emotionaler und feinfühliger Mensch. Meine Empfänglichkeit für Emotionen hat mich selten in das System passen lassen, weshalb ich mich stets „fehl am Platz“ fühlte. Vor allem in der klassischen All-In-Verträge-aber-stets-120%-geben-Arbeitswelt. Als mir dann die Fotografie unterkam, fand ich einen Weg, oder besser gesagt ein Ventil, um mit meinen Emotionen fertigzuwerden. All das, was mich viele Jahre daran gehindert hat, zur „normalen“ Arbeiterwelt zu gehören, sind nun wunderbare Werkzeuge, die mir dabei helfen, authentische und gefühlvolle Aufnahmen von anderen Menschen zu machen.
PS: Ebenso emotionalen Leseratten unter euch kann ich das Buch „Gefühle sind zum Fühlen da“ von Safi Nidiaye empfehlen!
… Vergleiche zu minimieren, um den Selbstwert zu maximieren
Es liegt in der Natur des Menschen, sich mit anderen zu vergleichen. Viele von euch werden dieses schlechte Gefühl kennen, das einen überkommt, während man seinen Instagram Feed durchscrollt. Alle sind super erfolgreich, sehen 24/7 makellos aus und haben null Probleme. Auch wenn wir wissen, dass es sich um eine Scheinwelt handelt, können wir dieses schlechte Gefühl nicht immer aufhalten. Dieses Jahr habe ich gelernt, damit besser umzugehen.
DENN: Es geht nicht darum, die Person mit dem vollsten Terminkalender und stressigsten Alltag zu sein. Keine Zeit für Freunde oder Familie zu haben, weil man sich im Job abrackern muss, um einmal die Woche Fast-Fashion-Läden leer kaufen zu können. Kommt es nicht eher darauf an, gesund und glücklich zu sein? Froh darüber, Menschen (und Tiere) um sich herum zu haben, die einen so lieben wie man ist? Früher hätte ich bei Aussagen wie dieser mit einem „ähm ja … und weiter?“ reagiert. Heute nicke ich bestätigend mit dem Kopf.
…, dass FUZO Express die Abkürzung für Fußgängerzone ist
Ganze 25 Jahre habe ich für diese Erkenntnis gebraucht. Na ja, man lernt schließlich nie aus.
Obwohl wir bereits dem Ende von 2019 entgegen blicken, kündigt sich zeitgleich der Anfang von 2020 an. Ich für meinen Teil freue mich riesig. Denn auch nächstes Jahr darf ich viele neue Gesichter kennenlernen, besondere Momente mit meiner Kamera verewigen und auf spannende Reisen gehen. Ich freu mich drauf!